Jugendstil
Der Jugendstil ist eine kunstgeschichtliche
Epoche um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert.
Der Begriff ist nur im deutschsprachigen Raum, den
Niederlanden, den Nordischen Ländern und in Lettland in
Gebrauch, so benannt nach der 1896 gegründeten Münchner
illustrierten Kulturzeitschrift "Die Jugend". Dabei ist dieser
Begriff in seinem heutigen relativ wertfreien Sinne durch
die spätere kunstgeschichtliche Rezeptionsliteratur geprägt
worden. Äußerlich kennzeichnende Teile oder Elemente des
Jugendstils sind dekorativ geschwungene Linien sowie
flächenhafte florale Ornamente und die Aufgabe von
Symmetrien.
Bei solchen formalen Klassifizierungen darf allerdings nicht
übersehen werden, dass der Jugendstil keineswegs eine so
geschlossene Bewegung war, wie die Bezeichnung 'Jugendstil'
heute bei uns den Anschein erwecken mag. Es handelt sich um
eine Reihe von teilweise auch sehr divergierenden Strömungen
innerhalb Europas, die sich allenfalls in der Abkehr vom
Historismus wirklich 'einig' waren, also der Ablehnung der
bis dato gängigen Praxis der Nachahmung historisch
überlieferter Formvorbilder.
Mit dem Jugendstil verbinden sich zahlreiche künstlerische
Programme und Manifeste. Er steht im heutigen Verständnis
unter anderem auch für große gesamtkünstlerische
Gestaltungen, wie etwa dem Palais Stoclet in Brüssel, in der
alles vom äußeren Bauwerk bis zur dekorativen
Innenausstattung im einheitlichen Sinne durchgestaltet
wurde. Damit wurde auch die Forderung nach der großen
Verschmelzung von „Kunst und Leben“ verknüpft, der
Wiedereinbeziehung der Kunst in das Alltägliche, im Sinne
einer umfassenden künstlerischen Neugestaltung aller
alltäglichen Dinge, wobei den dekorativen Künsten ein ganz
besonderes Gewicht zukam.
In diesem Punkt knüpfte der
Jugendstil allerdings an den Historismus an, der bereits das
„Gesamtkunstwerk“ zum Programm erhoben hatte. Zugleich war
dies der programmatische Gegenentwurf zur Abgehobenheit und
Abgesondertheit tischer Kunstwerke in der reinen Sphäre der
so genannten „hohen“ oder „Bildenden Kunst“.



