Die Geschichte des Schmucks beginnt mit der Geschichte der Menschheit. Das Bedürfnis sich zu schmücken ist, wie wir an primitiven Völkern auch heute noch beobachten können, stärker als das Bedürfnis sich zu kleiden. "Vor der Kleidung war der Schmuck" - so beginnt daher auch eine der grundlegenden Arbeiten zur Geschichte der Schmuckkunst.
Schon früh hatte der Schmuck neben seiner ästhetischen Funktion weitere wichtige Aufgaben zu erfüllen. Einmal diente er als Amulett oder Talisman, dann wieder hatte er das Gewand, den Schuh oder den Gürtel zu schließen oder das Haar festzuhalten. Wir können demnach symbolischen Schmuck, Gewand-, Körper -und Haarschmuck unterscheiden.
Jede Epoche formte
den Schmuck nach ihrer Art, und zwar nicht nur durch
bestimmte ihr eigene Stilelemente, sondern auch durch die
Wahl des Materials, die Bearbeitungsweise und die Technik.
Im Altertum waren es vornehmlich Ägypten, das antike
Griechenland und Rom, die an der Entwicklung des Schmucks
den wesentlichsten Anteil hatten, später übernahm diese
Rolle Byzanz. Die karolingische Epoche wird im allgemeinen
eng mit dem Beginn der Schmuckkunst der historischen Zeit in
Westeuropa in Verbindung gebracht. Karl der Große, aus
seiner umfassenden menschlichen Persönlichkeit heraus, schuf
Bedingungen, die dazu führten, daß aus dem Erbe der alten
Kulturen, dem Christentum und der Schaffenskraft der
europäischen Völker eine neue Kultur erwuchs, die man wohl
zu Recht "karolingische Renaissance" zu nennen pflegt und
die auch die Schmuckkunst maßgeblich beeinflußte. Früher
gotischer Schmuck blieb uns nur vereinzelt erhalten, über
sein Aussehen und über seine Verwendung geben uns
zeitgenössische Buchmalerein und Tafelbilder, gelegentlich
aus Plastiken Auskunft. Die schönsten Beispiele
frühmittelalterlichen Schmucks, die zu uns kamen, stammen
vom Rhein- und Maasgebiet. Der kostbarste Frauenschmuck, der
uns aus dieser Zeit bekannt geworden ist, gehört zu dem sog.
Ornat der Kaiserin Gisela, den diese bei ihrer Hochzeit mit
Kaiser Konrad II. im Jahre 1027 getragen haben soll.
In der Renaissance wurde die Basis breiter und gleichzeitig
schmückten sich der Hochadel und die hohe Geistlichkeit
reicher. Gar nicht selten trug man z. B. mehrere Ringe an
einer Hand. Die Renaissance liebte Edelsteine und farbigen
Email und zierte die damals bevorzugteste Schmuckform, den
Anhänger, reich mit diesen Schmuckmitteln.
Das 17. Jh. bedeutet für den Diamentschliff eine
entsprechende Wenung, als der Brillantschliff erdacht wurde,
der die einzigartige Schönheit des unbestrittenen Königs der
Edelsteine voll zur Geltung bringt. Im 18. Jh. bestückten
kunstfertige Juweliere Broschen, Aigretten, Ringe usw. in
Blüten-, Zweigen- und Schleifenform mit flimmernden
Brillanten, die besonders im festlich beleuteten Ballsaal,
bei großen Empfängen bei Hof voll erstrahlten.
Von altersher verwendete man zur Fertigung von Schmuck
verschiedenste Materialien: edle aber auch unedle Metalle,
Edel -und Halbedelsteine, buntes Email, Perlen, Korallen u.ä.
Die einzelnen Landschaften und Stilepochen gaben bestimmten
Werkstoffen den Vorzug und sind vielfach nach der Art des
gewählten Materials und seiner Bearbeitungsweise kenntlich.


